Mönchengladbach. Jedes Jahr wird bei rund 73.000 Deutschen Darmkrebs erkannt. Damit ist diese Krankheit eine der häufigsten Krebserkrankungen im Land. Etwa die Hälfte der Betroffenen stirbt an dieser Krankheit. Seit 2002 haben gesetzlich Versicherte ab dem 55. Lebensjahr einen Anspruch auf die Vorsorge-Darmspiegelung.
Dennoch macht bisher nur etwa jeder neunte Mann davon Gebrauch. Frauen gehen nur unwesentlich häufiger zur Vorsorge. Um mehr Menschen zu Untersuchungen zu bewegen, ist der März der „Darmkrebs-Monat“. Das Bethesda, seit 2007 zertifiziertes Darmzentrum nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft, hat im März viel vor. Dr. Johannes Grossmann, Chefarzt der dortigen Medizinischen Klinik und Darmkrebs-Spezialist, und Dr. Andreas Tittel, Visceralchirug am Bethesda, berichten darüber im WZ-Interview.
„Darmkrebs ist ein Tabu-Thema.“
Dr. Johannes Grossmann
Warum ist ein Aufklärungsmonat zum Thema Darmkrebs wichtig?
Dr. Johannes Grossmann: Weil Darmkrebs bei Früherkennung heilbar ist, und die Früherkennung durch Darmspiegelung in über 95 Prozent der Fälle möglich ist. Wenn dieser Krebs erst in einem späteren Stadium erkannt wird, ist er hingegen oftmals nicht mehr heilbar.
Warum gehen so wenige zur Darmspiegelung? Sind die Zahlen schlechter als bei anderen möglichen Vorsorgeuntersuchungen?
Grossmann: Ja, tatsächlich ist die Quote bei anderen Vorsorgeuntersuchungen besser. Beim Darmkrebs liegt es daran, dass der Darm ein Tabu-Thema ist. Dr. Andreas Tittel: Und außerdem liegt es daran, dass die Vorbereitung für die Darmspiegelung ein wenig aufwändig ist. Man muss den Darm mit viel Flüssigkeit frei spülen und abführen.
Was die Vorsorge ab 55 angeht: In welchen Fällen sollten auch jüngere Menschen zur Spiegelung?
Grossmann: Erstens dann, wenn es eine familiäre Vorbelastung gibt. Und zwar zehn Jahre vor dem Alter, bei dem der betroffene Verwandte erkrankt ist. In diesen Fällen zahlt übrigens auch die Krankenkasse. Ansonsten, wenn es Alarmzeichen gibt, wie... Tittel und Grossmann: ...Blut im Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Leistungsknick.
An wen richten sich die Aktions-Tage im Bethesda?
Grossmann: An Interessierte, die mehr über Vorsorge erfahren wollen, aber auch an betroffene Patienten und ihre Angehörigen.
In Kürze: Auf welche Punkte legen Sie bei den Aktions-Tagen wert?
Grossmann: Wir wollen über Vorsorgemöglichkeiten aufklären, wir bieten kostenlose Stuhltests an und informieren über Möglichkeiten der Operation, Strahlentherapie bei Mastdarmkrebs und Chemotherapie.
Gibt es bei den Operationen auch neue Möglichkeiten?
Tittel: Auch bei Darmkrebs ist die radikale operative Therapie, also das totale Entfernen des Krebses, üblich. Aber einen immer größer werdenden Teil der Patienten können wir per Bauchspiegelung operieren, also mit der so genannten Schlüssellochtechnik. Das führt dazu, dass sich Patienten nach der Operation schneller und besser erholen, weil die Wunden kleiner sind als bei den bisher üblichen Methode. Viele Patienten können dann das Krankenhaus viel früher verlassen, als es bisher der Fall war.
Das Darmkrebs-Risiko kann ja nicht nur aus genetischen Gründen, sondern auch durch die Ernährung gesteigert sein. Was können da die Auslöser sein?
Grossmann: Besonders ballaststoffarme Kost, viel rotes Fleisch, hoher Alkoholkonsum, Rauchen und vermutlich auch besonders fettreiche Ernährung.



