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LokalesKreis ViersenWillich / Tönisvorst
10. März 2010 - 18:30 Uhr
Willich: Neuer Radweg bleibt umstritten
von Willi Schöfer
Planung Die alte Bahntrasse von Gladbach nach Krefeld soll Ausflugsziel werden. Nicht alle Anwohner sind begeistert.
 
 


Willich. Auf einer Länge von rund 7,7 Kilometern soll auf der ehemaligen Eisenbahntrasse von Gladbach über Niederheide bis in den Willicher Norden der Alleenradweg entstehen. Derzeit wird dort der erste Bewuchs frei geschnitten. Mit dem eigentlichen Bau und der Errichtung von vier Radstationen – sprich: Rastplätzen – werde es, sagt die Technische Beigeordnete Martina Stall, „voraussichtlich im Herbst“ losgehen. Kosten soll der Radweg rund 1,3 Millionen Euro; die Stadt rechnet mit Fördermitteln von 75 Prozent.

„Das Geld hätte man sinnvoller verwenden können.“

Die Kosten für die 7,7 Kilometer lange Strecke auf Willicher Stadtgebiet belaufen sich auf 1,3 Millionen Euro. Hinzu kommen Grundstückskosten von 420.000 Euro. Die jährlichen Folgekosten dürften bei etwa 25.000 Euro liegen.
Das Land fördert mit dem Alleenradweg-Programm 75 Prozent der Kosten. Ziel ist es, landesweit etwa 300Kilometer stillgelegter Bahnstrecken als Radwege zu beleben.
Mit der Beseitigung des alten Gleiskörpers hat die Stadt Willich nichts zu tun. Das ist noch Sache der Bahn. Die hat vor etwa vier Wochen mit den Arbeiten begonnen.
Der Kreis Viersen möchte durch die Verbindung verschiedener Abschnitte des Alleenradwegs einen Rundkurs von 125 Kilometern Länge schaffen. Etwa die Hälfte davon wird auf alten Bahnstrecken liegen. Abschnitte wie die Schlufftrasse zwischen St. Tönis und Süchteln sind schon lange in Betrieb.

Ferdi Hamacher, Hotelier

„Das Geld hätte man sinnvoller verwenden können, so für Kindergärten oder Schulen“, sagt Ferdi Hamacher (78), dem in Willich das direkt angrenzende „Hotel Hamacher“ gehört. Der Radweg sei überflüssig, zumal in Willich auch in direkter Nähe schon ein dichtes Radwegenetz vorhanden sei. Der Hotel-Inhaber ist auch Jagdpächter, der Radweg führt quer durch sein Revier. „Durch die Rodung verlieren seltene Vogelarten, aber auch Fasanen, Feldhühner oder Kaninchen ihre Brutstellen“, sagt der 78-Jährige. Er hofft, dass entsprechende Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden.

In Willich führt der geplante Radweg an einigen Häusern an der Kösliner-, Stralsunder- und Stettiner Straße unmittelbar an den Gärten vorbei. Beeinträchtigungen befürchtet Dieter Jakubowski (68), der an der Kösliner Straße wohnt: „Da auf dem Radweg viele Schüler fahren werden, wird sicherlich so mancher Müll in unsere Gärten geschmissen, von den Ruhestörungen ganz zu schweigen.“ Er hat bereits Bürgermeister Josef Heyes per Mail seine Bedenken mitgeteilt.

Sein Nachbar Thomas Uecker (42) hat grundsätzlich nichts dagegen, befürchtet allerdings, dass Einbrüche zunehmen könnten, zumal die Gärten dann frei zugänglich seien. Thomas Uecker hat eine andere Idee: „Da es auf unseren Straßen zu wenig Parkmöglichkeiten gibt, könnte man im Zuge der Baumaßnahme vielleicht Zufahrtsmöglichkeiten in die hinteren Bereiche der Grundstücke schaffen.“

Auch nicht begeistert ist Rentner Manfred Bendor (67) von der Stralsunder Straße: „Es war alles so schön bewuchert.“ „Ich bin absolut für den Radweg, da bin ich viel schneller in der Stadt“, meint hingegen Elfriede Treptow von der Stettiner Straße. Die Dame ist schon 89 Jahre alt: „Mit dem Rad kann ich nicht mehr fahren, aber ich werde den Radweg bestimmt als Fußgängerin nutzen.“

Unmittelbar vor den Häusern führt der Radweg auch an der Grietgen-Haaks-Straße in Schiefbahn entlang. „Es wundert mich, dass dafür Geld da ist, zumal wir schon viele Radwege haben“, sagt Anwohnerin Ursula Godzina (76) zu den Plänen. Eine Nachbarin, Wilma Arndt (70), die viel mit dem Rad unternimmt, sieht dies anders: „Ich finde das gut, besser als ein toter Gleiskörper.“

Seit über 35 Jahren wohnt Jürgen Holz (68) an der Grietgen-Haaks-Straße. Er hat nichts gegen den Radweg und hofft, dass dadurch endlich mal wieder die hohen Birken und Eichen geschnitten werden: „Es verwildert bei uns immer mehr, da muss dringend etwas getan werden.“

Martina Stall kündigt indes an, dass bis zum Baubeginn im Herbst noch einmal mit den Anwohnern gesprochen werde – und weiter ergänzt die Technische Beigeordnete: „Wir denken auch über Abschottungen nach, damit denen nicht direkt auf die Suppenschüssel geguckt wird.“


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