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10. März 2010 - 20:54 Uhr
Analyse: Der plötzliche Reichtum der Krankenkassen
Im ersten Jahr des Gesundheitsfonds gibt es ein sattes Plus. Dennoch drohen Zusatzbeiträge.
 
 

Berlin. Die Krankenkassen haben in den vergangenen Jahren Milliarden-Verluste angehäuft, nun hat sich der Trend im ersten Jahr des Gesundheitsfonds umgekehrt (siehe Kasten). Wir nennen Gründe:

Die Kassen machen Gewinn, der Fonds Verlust – wie kann das sein?

Dies ist möglich, da die Kassen und der Fonds im deutschen Gesundheitssystem prinzipiell unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sind. Die Krankenkassen tragen das Risiko bei den Kosten. Wenn sie für Medikamente, Ärztehonorare und so weiter mehr Geld ausgeben müssen, als sie zur Verfügung haben, machen sie Verlust. Der Gesundheitsfonds trägt das Einnahmerisiko. Wenn er weniger Beiträge von Versicherten, Arbeitgebern und Rentenkassen einsammelt, als er den Krankenkassen geben muss, macht er Verlust.

Der Gewinn der derzeit noch 169 gesetzlichen Krankenkassen betrug im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Euro. Die GKV haben 171,9 Milliarden Euro eingenommen und mussten 170,8 Milliarden Euro ausgeben. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen machten 771 Millionen Euro Gewinn, die Innungskassen 264 Millionen und die Betriebskassen 190 Millionen. Die Ersatzkassen dagegen machten 157 Millionen Euro Verlust.
Der Schätzerkreis rechnet für dieses Jahr mit einem Defizit bei den Krankenkassen von über 7,9 Milliarden Euro. Der Bund hat bereits einen Extra-Zuschuss von 3,9 Milliarden Euro genehmigt. Die übrigen vier Milliarden Euro müssen die Kassen durch ihre Reserven oder Zusatzbeiträge ausgleichen. Zudem wird sich der Fusionsdruck auf die Kassen erhöhen, um weiter Geld zu sparen. Gab es Ende 2008 noch 215 Kassen, sind es derzeit noch 169. Hier sind weitere Zusammenschlüsse bereits beschlossen oder angekündigt.

Was passiert, wenn der Fonds weniger Geld einnimmt, als die Kassen brauchen?

Die Krankenkassen haben einen Anspruch auf festgelegte Pauschalbeiträge pro Versicherten, die das Bundesversicherungsamt auf den Berechnungen eines Schätzerkreises ermittelt. Das Geld kommt dann aus dem Gesundheitsfonds. Wenn im Fonds nicht genug Geld ist, muss er ein Liquiditätsdarlehen aufnehmen. 2009 musste der Fonds den Kassen knapp 167 Milliarden Euro überweisen. Diese wiederum hatten noch weitere Einnahmequellen über rund vier Milliarden Euro, etwa durch Zinserträge bei Rücklagen. So kamen sie auf 171,9 Milliarden Euro.

Was passiert mit dem Gewinn?

Mit dem Gewinn sollen sie Rücklagen bilden, die sie bei Finanzierungsengpässen angreifen. Der Gesundheitsfonds sieht bei den GKV ein Viertel der monatlichen Krankenkassenausgaben vor – das wären 3,5 Milliarden Euro.

Warum brauchen die Kassen trotzdem Zusatzbeiträge?

Die Kassen sagen, dass ihnen das Geld aus dem Fonds nicht mehr ausreicht. Die BKK für Heilberufe hat 2009 nach vorläufigen Angaben noch drei Millionen Euro Gewinn gemacht. „Weil wir unsere Reserven aufgebraucht haben“, sagte ein Sprecher. Nun brauche die Kasse bis zu 37,50Euro pro Versicherten im Monat an Zusatzbeiträgen. Generell gilt beim Gesundheitsfonds: Der Fonds muss nur 95 Prozent der Krankenkassen-Ausgaben decken. Den übrigen Betrag müssen sie durch Reserven oder Zusatzbeiträge einnehmen.


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