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10. März 2010 - 20:29 Uhr
Billiger fahren mit Bus und Bahn
von René Schleucher
Wir zeigen Tricks und Kniffs, wie man im Regionalverkehr günstig wegkommt.
 
 

Düsseldorf. Eine gute Nachricht kam am Mittwoch vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR): Die für August geplante Tariferhöhung von 2,9 Prozent wird wohl bis zum 1. Januar 2011 verschoben. Der Rheinbahn schmeckt das zwar nicht: „Überschlägig kostet uns das rund zwei Millionen Euro“, sagt der Aufsichtsrats-Vorsitzende Andreas Hartnigk (CDU). Viele Fahrgäste aber werden sich freuen. Schließlich sind Tickets für Bus und Bahn nicht eben billig.

Allerdings gibt es auch viele Möglichkeiten, Geld zu sparen. Lohnend ist etwa, die NRW-Spezialtarife der Bahn unter die Lupe zu nehmen. Dass sie an vielen Ticketautomaten und im Internet nicht angezeigt werden, ärgert indes viele Kunden.

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Etwa WZ-Leserin Barbara Metzdorf (61): „Mein Mann und ich wollten nach Remagen. Der Automat am Hauptbahnhof zeigte uns fast 70 Euro für Hin- und Rückfahrt an. Dass es mit dem ,Schöner Tag Ticket’ auch für 35 Euro geht, sagt einem niemand.“ Sie vermutet: „Die Bahn macht das mit Absicht, das ist eine Unverschämtheit.“ Bahnsprecher Udo Kampschulte weist das zurück. Die günstigeren Tarife würden wegen Software-Problemen nicht angezeigt. „Aber wir arbeiten daran, das hinzubekommen.“

Tipp 1

Sparfüchsen bietet das Handyticket neue, bisher ungeahnte Möglichkeiten. Wie berichtet, kann man für den gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr Fahrkarten per Handy bestellen (siehe Info-Kasten). Dies führt dazu, dass längere Fahrten in die Region deutlich billiger möglich sind. Ein Beispiel: Wer von Benrath zum Essener Hauptbahnhof will, braucht ein Ticket Preisstufe D, kostet 10,90 Euro. Wer mit der S6 fahren will, kommt mit dem Handy-Ticket aber schon für 6,90 Euro zum Ziel. So viel kosten drei Tickets der Preisstufe A – und die reichen bis nach Essen: Eines für die Stadt Düsseldorf, eines für den Kreis Mettmann, eines für das Stadtgebiet Essen. Der Fahrgast muss nur rechtzeitig vor der Stadtgrenze das neue Ticket anfordern. „Das geben die Bestimmungen her“, bestätigt VRR-Sprecher Lars Wagner.

Achtung: Wer über die Strecke Duisburg – Mülheim fährt, braucht vier Mal Preisstufe A – was mit 9,20 Euro immer noch etwas billiger ist.

Wem das zu aufwändig ist, kann in den meisten Fällen auch ein Ticket der PreisstufeB (4,50 Euro, gilt am Zielort und einer Nachbarstadt) mit einem Ticket der Preisstufe A kombinieren. In unserem Beispiel würde das dann so funktionieren: Der Kunde löst in Benrath ein TicketPreisstufe B, das bis Ratingen-Hösel gilt. Danach folgt die Stadtgrenze zu Essen – dafür einmal Preisstufe A anfordern, kostet zusammen sogar nur 6,80 Euro.

Bisher war das so alles nicht möglich, weil die Fahrgäste bei laufender Fahrt kein neues Ticket abstempeln konnten. Dank Handy-Ticket funktioniert’s. Auch auf dem Weg zu vielen anderen Zielen.

Die digitale Fahrkarte bietet Sparmöglichkeiten auch für Monatskarten-Inhaber. Wer in ein benachbartes Tarifgebiet will, etwa nach Neuss, musste früher ein Zusatzticket kaufen (2,40 Euro), per Handyticket reicht die Preisstufe A (2,30 Euro).

Tipp 2

Wer eine Bahncard hat, dem bieten sich weitere Sparmöglichkeiten. Viele Fahrten sind mit Bahncard 50 nämlich billiger als die Verbundtarife. Bleiben wir beim Beispiel Essen. Eine Fahrt von Düsseldorf nach Essen Hauptbahnhof kostet eigentlich Preisstufe C (9,20 Euro). Ein Intercity-Ticket – das ebenfalls zur Fahrt mit S- oder Regionalbahn berechtigt – kostet mit Bahncard 25 nur 7,10 Euro, mit Bahncard 50 sogar nur 4,75 Euro. Wichtig: Örtliche Busse und Straßenbahnen dürfen mit diesem Ticket nicht benutzt werden.

Problem bei dieser Spar-Variante: Oft kann man die billigeren Tickets nicht am Automaten kaufen, weil nur die Verbundtarife angezeigt werden. Den Grund erklärt Bahn-Sprecher Udo Kampschulte: „Das steht so in den Verträgen, die wir mit den Verkehrsverbünden geschlossen haben. Der Verbundtarif kommt vor dem Haustarif.“

Wer aber zum Schalter geht und ausdrücklich ein Intercity-Ticket verlangt, wird es auch bekommen.

 Tipp 3

Ein ähnliches Problem gibt es bei den günstigen Regio-Angeboten der Bahn. Wer sie im Internet oder am Automaten sucht, wird oft nicht fündig. Da gibt es zum Beispiel das „Schöne Fahrt Ticket NRW“. Es gilt in allen Regionalzügen, Bussen und Bahnen für eine Fahrt, die maximal zwei Stunden dauert. Kosten: 16 Euro. Wer im Internet eine Verbindung von Düsseldorf nach Hamm sucht (dauert 79 Minuten) bekommt stattdessen aber das teurere „Schöne Reise Ticket NRW“ für 20,60 Euro angeboten.

Das gleiche gilt für das günstige „Schöner Tag Ticket NRW“. Es gilt einen Tag für beliebig viele Fahrten im ganzen Land (nur Nahverkehrszüge, werktags erst ab 9Uhr) – und zusätzlich auf einigen Strecken auch in benachbarte Länder (z.B. Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Niederlande). Für eine Person kostet es 25 Euro, die Variante für bis zu fünf Personen 35 Euro. Doch dieses Angebot kennt kaum jemand. Kein Wunder, es wird ebenfalls an vielen Automaten und im Internet nicht bei einer regulären Fahrplanabfrage angezeigt.


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